Mobbing?! Menschen, Ursachen, Emotionen...

Thema „Mobbing“ steht heute an der beruflichen Tagesordnung… Aus den Coaching-Gesprächen mit Klienten und aus der facebook-Kommunikation mit Freunden von Schander Coaching scheint es so zu sein, als wären sehr viele Menschen von diesem Thema betroffen. Warum ist es so? Liegt es wirklich tatsächlich nur am Opfer, dass es von den Kollegen „gemobbt“ wird? Diese Frage ist von mir etwas provokativ gestellt, weil in der Gesellschaft eine Meinung zu herrschen scheint, dass die „gemobbten“ Personen sich das häufig selbst zu verdanken haben, weil sie sich nicht durchsetzen können oder wollen, weil sie eine „schwache“ Persönlichkeitsstruktur aufweisen, etc.  Ich denke, dass die Sache mit dem „Mobbing“ ziemlich komplex ist und dass es keine Zufälle gibt und dass jede zwischenmenschliche Konflikt-Situation etwas mit allen darin verwickelten Parteien zu tun hat und dass das Ganze einen tieferen Sinn hat…

Stellen Sie sich bitte folgende Situation exemplarisch vor:

Ein Kollege A mobbt zusammen mit einem anderen Kollegen B ihre gemeinsame Kollegin C… Kollgein C leidet unheimlich unter der Situation, kann nicht schlafen, überlegt ständig, wann der richtige Zeitpunkt für eine Kündigung wäre, bewirbt sich weiter, findet keinen neuen Job, verharrt in der unzufrieden stellenden Situation und sieht momentan keinen Ausweg… Zur besseren Veranschaulichung stellen Sie sich bitte, lieber Leser, vor, dass die beiden Kollegen A und B sich in Wirklichkeit auch nicht wirklich mögen, sich aber zusammen geschlossen haben, um der Kollegin C ein „schweres“ Arbeitsleben zu bereiten… Warum tun Menschen sowas? Tun Menschen sowas bewusst? Wissen diese beiden Kollegen A und B überhaupt, dass ein anderer Mensch – Kollegin C - aufgrund ihrer Handlungen ganze „Höllen-Qualen“ erleidet?! Wir möchten uns – ebenfalls exemplarisch – die Lebenssituation vom Kollegen A anschauen: Kollege A ist unglücklich verheiratet, hat keinen wirklichen Bezug zu seinen Kindern, verspürt insgeheim regelmäßig eine starke Unsicherheit, was seine berufliche Zukunft betrifft, weil die Firma im Moment mit ziemlich starken Wettbewerbsbedingungen konfrontiert ist und weil der Kollege A sich von all diesen Lebensherausforderungen ablenken möchte, entwickelte er eine Spielsucht… Besonders zu schaffen, macht ihm die Angst, dass der Kollege B besser qualifiziert und jünger ist und sicher vorgezogen werden wird, falls Beförderungen anstehen sollten…

Und jetzt schauen wir uns – ebenfalls exemplarisch – die Lebenssituation vom Kollegen B an: Er ist tatsächlich zwanzig Jahre jünger, als der Kollege A, unverheiratet, hat keine Kinder, lebt als Single und hat große Schwierigkeiten damit, Frauen kennenzulernen, geschweige denn, sie anzusprechen… Im Berufsleben hat er keine großen Schwierigkeiten, was die inhaltliche, fachliche Seite seiner Arbeit betrifft, dafür tut er sich umso mehr im sozialen Bereich schwer. „Gott sei Dank, ist zumindest der Kollege A „mein“ Verbündeter, auch, wenn ich ihn nicht zum besten Freund haben wollte, aber ansonsten würde ich in der Arbeit ja total „untergehen…“ so ähnlich denkt sich das der Kollege B, wenn er zu Hause und alleine mit seinen Gedanken ist… Seine soziale Unsicherheit wird durch die augenscheinliche „Verbindung“ zum Kollegen A kaschiert…

Und schlussendlich schauen wir uns die Lebenssituation von der Kollegin C an: Sie ist sehr jung, beruflich wenig erfahren, dafür ist sie im Umgang mit den Menschen ziemlich offen und selbstbewusst, hat keine Hemmungen gegenüber den Autoritätspersonen, verhält sich in Meetings mit ihren Kollegen und den Vorgesetzten authentisch und trotzdem professionell und ungezwungen. Dafür wird sie von ihren Chefs gelobt und respektiert.

Die Frage hier lautet: WARUM sind Kollegen A und B so böse zur Kollegin C? Werden sie womöglich von ihren eigenen Ängsten geplagt? Der Kollege A hat schließlich Angst, von jüngeren Kollegen überholt zu werden… Und Kollege B weiß sehr genau, dass er niemals so locker in einem Meeting agieren könnte – aufgrund der vorhandenen sozialen Phobie – und entwickelt deswegen Neid-Gefühle der Kollegin C gegenüber… Kollegin C genießt die Aufmerksamkeit ihrer Vorgesetzten im Meeting, dafür leidet sie umso mehr, wenn sie danach mit den Kollegen A und B in einem Büro-Raum arbeiten muss… Weil diese ihr ständig Informationen vorenthalten, sie nicht in die Mittagspause begleiten, ihre Anwesenheit mehr oder weniger ignorieren oder ihre Arbeit ständig kritisieren… Auch wird sie nicht gegrüßt, wenn sie morgens das Büro-Zimmer betritt…

Kollegin C „erduldet“ das Verhalten ihrer Kollegen A und B ihr gegenüber drei Monate lang… Dann entscheidet sie sich, zu gehen… Sie bewirbt sich um einen neuen Job und fängt voller Hoffnung eine neue Stelle an. Die ehemaligen Kollegen A und B verlieren zwei Monate später ihre Jobs, weil das Unternehmen eine Insolvenz anmelden muss. Selbst erfüllende Prophezeiung? Wahre Magie? Waren die Ängste der Kollegen A und B also gerechtfertigt? Kann man ihnen ihr Verhalten im Angesicht der Zusatzinformationen vielleicht sogar verzeihen? Warum sind Menschen „böse“ zu anderen Menschen“? Ist es nicht oft so, dass die glücklichen und zufriedenen Menschen alles daran setzen, auch ihr Umfeld glücklich zu machen? Und die frustrierten, mit vielen Problemen belasteten Menschen, die sich vom Leben betrogen fühlen, sich auch ihren Mitmenschen gegenüber unfreundlich verhalten? Denken Sie bitte darüber nach… Diese Ausführungen zum Thema „Mobbing“ erheben keinen Anspruch auf die Vollständigkeit. Die Thematik ist sehr komplex. Ich habe lediglich versucht, an den oben beschriebenen, exemplarisch dargestellten Personen die Dynamik einer möglichen Mobbing-Situation zu schildern… Jedes Mobbing-Erlebnis ist sehr individuell und aufgrund der darin enthaltenen Komponenten oft sehr schwer durchschaubar… Wenn Sie selbst in einer ähnlichen Situation „stecken“, scheuen Sie sich nicht davor zurück, sich Hilfe zu holen… Googeln Sie im Internet nach einem Coach oder nach einem psychologischen Berater. Gehen Sie Ihr Mobbing-Problem konsequent an. Ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Glück auf Ihrem weiteren beruflichen Lebensweg!

(Anmerkung: Die Darstellung der drei Personen ist ein Produkt meiner Phantasie und diente lediglich der Veranschaulichung von möglichen Beziehungs-Dynamiken im beruflichen Alltag.)


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